Fishel Rabinowicz – wie er den Holocaust überlebte
Eine Einladung erreichte uns: Der Künstler Fishel Rabinowicz (95), der die Schrecken des Holocausts überlebte, sprach am Sonntagabend, 2. Juni, in der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich über sein Leben und sein Werk.
Die Begegnung mit Fishel Rabinowicz und seiner Kunst kann einen nicht gleichgültig lassen, es sei denn, dass man eine tote Seele hat. Das Zeugnis seines Lebens ist äusserst dramatisch. Es ist das Zeugnis eines Menschen, der durch die Hölle des Holocausts gehen musste, weil die deutsche Naziseele ihren Spass an den abscheulichsten Verbrechen hatte, an den übelsten Formen des Zerstörens, an den ekelhaftesten Formen der Verachtung und Erniedrigung, während sie durch Massenmord ihre Befriedigung erlangte. „Es war einmal”, sagt der Ignorant und will einen Schlussstrich ziehen. Einen Schlussstrich? Wie denn, wenn es heute immer noch latent in der radikalen Bosheit der Gedanken, Reden und Handlungen wuchernd vorhanden ist?
Die Kunst von Fishel Rabinowicz findet ihren Ursprung in der Quelle des Lebens, des Überwindens, um überhaupt leben zu können. Seine Werke sind nicht nur eine Inspiration, sondern vermitteln den Schlüssel, der sich immer weiter öffnenden Türe, um zur Genialität des Einfachen zurückzukehren. Seine Botschaft ist ein Ruf zur Umkehr und Wachsamkeit und eine Lösung, um die tiefste Form der Finsternis zu überwinden. Fishel Rabinowicz – eine Begegnung, die man nicht vergessen kann.
– Katharine Siegling, Präs. NGU –
Shoah, 1992
Der zentral hebräische Buchstabe shin ist am Boden gespalten und isoliert den inneren Buchstaben vav, den sechsten Buchstaben des hebräischen Alphabets, der die sechs Millionen Juden repräsentiert, die im Holocaust umgekommen sind. Der Text auf der rechten Seite beginnt das Gebet für die Verstorbenen, das Kaddish. Die Dreiecksformen setzen das Gebet fort. Die rechte Seite spiegelt sich auf der linken Seite in transparenten Buchstaben wider. Deren Transparenz bedeutet Schweigen. Dieses Schweigen kann unterschiedlich interpretiert werden; als das Schweigen der Welt angesichts des Genozids oder als die Stille derer, die in der Gaskammer das Gebet nicht fertig sprechen konnten.
Der Zeuge, 1993
Die Quadrate in Form von zwei Säulen umgeben die stürzenden Buchstaben des Eröffnungsverses des Gebets Schema Israel: „Höre Israel! Gott, unser Herr, ist ein einziger Gott.” Zwei grosse Buchstaben sind hervorgehoben, die zusammen das hebräische Wort Ed (Zeuge) bilden. Es steht für die Position von Fishel Rabinowicz als Zeugen des Holocausts.
Überlebender, 1994
In diesem persönlichen Werk stellt der Rahmen mit den herabstürzenden Buchstaben das Chaos des Holocausts dar. Der Buchstabe Aleph in der rechten oberen Ecke symbolisiert Rabinowicz, der sich zeitlich und physisch davon abgegrenzt hat. Hingegen bleibt ein Teil des Buchstabens innerhalb des Rahmens, da der Überlebende durch das Erlebte für immer gekennzeichnet ist.
Galerie
Im Zusammenwirken mit der
Fördernd stellen wir hier die Spendeninformationen der Gamaraal Foundation zur Verfügung. Seit ihrer Gründung 2014 setzt sich die Schweizer Stiftung mit finanziellen Zuwendungen für arme und bedürftige Menschen ein, die den Holocaust überlebt haben, und hilft ihnen, mit ihren unvorstellbaren Traumata umzugehen. Langfristig widmet sie sich auch der nachhaltigen Förderung der Holocaust Education und der Prävention von Völkermord. Damit auch Sie die Stiftung in ihren Anliegen unterstützen können, haben Sie die Möglichkeit, hier zu spenden oder Ihre Gabe auf das folgende Spendenkonto zu überweisen: CH98 0023 0230 5643 4840V
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